BOSCA – 02.02.2020, Colos-Saal Aschaffenburg

Vor ein paar Tagen hab ich mir vorgenommen, wieder über meine Konzertbesuche zu schreiben. Welch schöneren Anlass gibt es da, als das Bosca Konzert in Aschaffenburg, mein persönlicher Tour-Auftakt der „Raus auf die Gasse“-Tour?

Gegen 18:50 Uhr betrete ich den Colos-Saal, der noch echt leer ist. Ich muss nicht lange warten, da betritt Rami Hattab als erster Act des Abends die Bühne. Rami kennen wir ja bereits von der Hook zu „Traumhaftes Leben“ und das Publikum ist ihm gnädig gestimmt. In seinem ersten Song will er „sein Haus anzünden“. Klingt aber echt gut, das Stück. Die Fans feiern ihn, er erhält Jubel und sein Name wird gerufen. Daraufhin „brennt es in seiner Brust“ und dann endet sein kurzer aber feiner Auftritt mit einer „Explosion“. Zehn Minuten nachdem er die Bühne betreten hat verlässt er diese wieder.

Direkt im Anschluss betreten Nio und Schenck OH die Bühne. Die Location ist zu diesem Zeitpunkt noch echt leer, daher bittet Nio alle Fans vor an die Bühne. Nach den ersten zwei Songs macht er ein bisschen Promo für seine neue EP „10 Euro sind für die meisten von euch zwei Joints, aber für mich ist es mein Herz“ – dann legt er los mit dem titelgebenden Song „Visionen“. Direkt danach darf auch Schenck OH zwei seiner Songs zum Besten geben. Sie kündigen an, dass ihr Auftritt nun zuende ist und sie die Bühne verlassen müssen, aber Schenck OH proklamiert, dass er noch nicht weg will und leitet damit den tatsächlich letzten Song der beiden ein. Gegen 19:30 verlassen sie unter „BOSCA“-Rufen die Bühne.

Der Auftritt der beiden Nachwuchstalente hat mir ausgesprochen gut gefallen. Die beiden geben richtig Gas auf der Bühne und holen trotz der schwachen Besucherzahlen noch gut Stimmung aus dem Publikum.

Ohne Pause geht es weiter und Boscas Stimme erklingt aus dem Off. Den ersten Part aus seinem Intro „Alle Spots auf mich“ rappt er noch hinter der Bühne um dann bei der Hook energiegeladen wie immer auf eben diese zu springen. Leider ist die Location noch nicht wesentlich voller geworden, ich würde schätzen, der Laden ist etwa zur Hälfte gefüllt. Bosca und sein Backup V-Acht machen jedoch das Beste daraus und legen gleich mit „In einer Welt“ nach gefolgt von seinem Part aus „Wir bleiben unter uns“. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Face auch seinen Part zum Besten gibt. 

das unterscheidet uns von vielen und deshalb machen wir es wie kein anderer

Nach „WKA“ vom aktuellen Album „Riot“ folgt eine Ansage, in der der Wiesbadener hervorhebt, dass er sich vorgenommen hat jeden Moment auf Tour zu genießen und für jede einzelne Show dankbar zu sein. Die Ansage ist gleichzeitig seine Überleitung zu „In der Luft“.

Mit „Heute ist mein Tag“ ist dann einer meiner Lieblinge vom neuen Album „Riot“ dran. Mega Song, fantastische Hook und auch live ein kleines Sahnehäubchen.

Es geht weiter mit dem aktuellen Album und nach „AKF“ wünscht sich Bosca für den Song „Gang aus der Großstadt“ Pogo. Es entsteht ein Kreis – aber kein Pogo. Ich bin einigermaßen irritiert aber in der Hook geht es dann los und ein paar Mutige erfüllen dem Rapper seinen Wunsch. Es folgt ein weiterer Lieblingssong von „Riot“ – „Aus Gönnen wird Neid“. Gemeinsam „Tauchen wir ab“ und haben „Lampenfieber“, dann verlässt Bosca die Bühne.

Trotz der leeren Location geben die Künstler alles, vielleicht nicht 150% wie sonst aber 100 sind es auf jeden Fall. Und klar wird der ein oder andere ein bisschen enttäuscht sein, aber dennoch kommen mir alle gut drauf vor und Bosca wirkt zeitweise auch ein wenig albern auf der Bühne. Das wird doch nicht am Alkohol liegen? 😉

Das Publikum geht auch gut mit, aber natürlich leidet auch hier die Stimmung, wenn man meterweise Platz um sich herum hat. Was ist nur los mit den Leuten in Bayern? Alle dem Coronavirus erlegen? Oder ist doch der Superbowl Schuld?

Eine Stimme aus dem Off verkündet, dass es grade ein paar technische Probleme gibt, die scheinen jedoch schnell behoben und Schenck betritt mit jemandem die Bühne, dessen Namen ich leider nicht verstanden habe. Offenbar handelt es sich um einen Beatboxer, die Darbietung dauert nur wenige Minuten und dann ist die Bühne wieder leer. Plötzlich klingelt aus dem Off ein Telefon. Man hört Bosca mit Face telefonieren und er holt sich dessen Ok ab, den gemeinsamen Song „Achterbahn“ zu spielen. Der folgt dann auch auf dem Fuße und mit den ersten Zeilen springen Bosca und Face in etwas gewöhnungsbedürftigem Aufzug auf die Bühne. Unfassbar was für ein Energiebündel dieser Face ist. Gibt direkt Vollgas, beide rennen von links nach rechts und wieder zurück und obwohl ich den poppigen Sound der Hook nicht so sehr feier macht er live doch echt gute Stimmung. Und Bosca verkackt direkt mal seinen Part 😉

Da Face ja nun schon einmal da ist geht es direkt weiter mit „Scherben sind heiß“ bevor es nach einer perfekten Einleitung mit „Glaub an mich“, dem Song aus dem Album „Kartoffel mit Attitüde“ von Face, weitergeht. Seineszeichens übrigens eines meiner Lieblingsstücke von diesem Album. Es folgt der Klassiker „Düsen auf den Tisch“ – ich weiß noch wie arg ich den gefeiert hab als er damals rauskam, der geht einfach vorwärts. Funktioniert immernoch. Einen letzten Song hat Face noch für uns dabei und nach einem geisteskranken „VAY VAY VAY“ verlassen beide die Bühne.

Wir müssen uns einen Moment gedulden, bevor Bosca zurückkehrt. Er hatte Probleme beim Outfitwechsel und hat seine Schuhe nicht angekriegt xD Dafür hat er uns ein kleines Liedchen zum Raten vorbereitet, auf einem Keyboard spielt er die ersten Takte von „Weiterlaufen“. Hab ich natürlich direkt erkannt.

Wir brauchen Sommer hier!

Weitergehts mit „Später Sommer“ bei dem er so motiviert ist, dass er sich das Mikrokabel rausreißt und dann erklärt Bosca uns den Sushi-Kreislauf. Ich hoffe ich bekomme ihn noch zusammen aber im Großen und Ganzen geht es darum, dass wir alle sein Merch kaufen sollen, damit er morgen ganz viel Geld hat um sich Sushi zu kaufen, darüber dann ganz arg glücklich ist und Bock hat neue Songs zu schreiben, was dann wiederum dazu führt, dass er ein neues Album rausbringt und wieder auf Tour geht und in Aschaffenburg spielt – um den Kreis zu schließen. Hab ich erwähnt, dass er heute ein bisschen albern ist? 😉

Dann kommt für mich die Überraschung des Abends (auch wenn ich im Nachinein gar nicht weiß, warum ich so überrascht war) – „Riot“, der Titelsong des aktuellen Albums ist ein brutaler Live Song. Richtig schade, dass die Halle so leer ist, die müsste eigentlich kochen bei dem Track. Bosca legt mit „Weiße Dünen“, ebenfalls einem Stück vom neuen Album, nach und dann gibt es Jägermeister für alle. Diesmal leider ohne Musik, denn DJ Pron liegt mit Fieber im Bett und für ihn eingesprungen ist Jannik, eigentlich Videoblogger, Fotograf und Beatbauer. Macht seine Job aber, abgesehen von den fehlenden Jägermeister-Beats, ganz gut. Bosca überbrückt die Zeit, in der das Publikum die Flasche rumgehen lässt, einfach mit dem nächsten Song.

Vega ist leider heute nicht am Start, er muss arbeiten, da er selbst grad in der Promophase und am Video drehen ist. Daher kommt Nio auf die Bühne um ihn zu vertreten und übernimmt Vs Part vom neuen Song „Wieder auf Krawall“. Und er vertritt seinen Bruder würdig! Bosca legt mit seinen Parts von „Dafür brauch ich kein Mic“ und „2 Sekunden pt. 2“ nach und zieht dann ein grandioses Hook-Medley durch. Das Medley endet mit der Hook von „Tunnelblick“ – schade, den Song hätte ich gerne komplett gehört.

Zur Erfrischung bekommt Bosca erst mal ein Bier aus dem Publikum gereicht. Nach einigem Zögern nimmt er einen Schluck um dann enttäuscht festzustellen, dass der Besitzer sein Bier wiederhaben möchte. Das Publikum fordert ihn lautstark auf, das Getränk zu exen. Bosca erklärt zwar im Vorfeld, dass er gaaanz schlecht ist im exen und das sicher nicht schafft, probiert es aber dennoch. Und schafft es nicht. Seine Ausrede: das Bier war zu kalt 😛

Dafür folgt nun mein absoluter Lieblingstrack vom aktuellen Album: „Anders“ <3 Wunderbare Hook die live vom Publikum lauthals mitgesungen wird. Bin schon gespannt, wie das in einer vollen Halle klingt. Beispielsweise in der Batschkapp! Nach diesem Highlight bittet Bosca alle Mädels auf die Bühne. Vor der so entstandenen neuen Kulisse werden nun „Raus auf die Gasse“, ebenfalls vom aktuellen Album, und „Was glaubst du was passiert?“ von seiner EP „Fighting Hessisch“ ausgepackt. Für den Refrain wird von der Bühne aus eine Wall of Death im Publikum organisiert, die sich dann in einen kleinen Pogo entläd. Nach dem Song müssen die Mädels die Bühne wieder verlassen und Bosca kündigt seinen vorerst letzten Song, das Outro „Alles Schein“ vom Album „Riot“ an. Unter „Bosca“-Rufen verlässt er gegen 21:00 Uhr die Bühne. Es ertönen noch ein paar von V-Acht animierte „Zugabe“-Rufe und der Main-Act betritt mit „König der Luft“ erneut die Bühne. Auch Rami Hattab lässt sich noch mal auf der Stage blicken um über ein „Traumhaftes Leben“ zu singen, es gibt noch eine Runde „Der mit den Adlern fliegt“ und dann kündigt Bosca noch einen letzten Traurigen an. Zu „Polar Lights“, dem Outro der „Cobra 3“ möchte er alle Handylichter oben sehen.

Um 21:10 Uhr ist das Konzert dann leider schon wieder vorbei. Der DJ spielt „Kein Sorry“, den neuen Track von Vega, und die Fans verlassen die Location oder warten am Merchstand auf Bosca, der wie immer versprochen hat, noch mal vorbei zu schauen. Ich folge Nios Aufruf zu Beginn der Show und kaufe bei ihm meine „Visionen“-EP, die er mir artig signiert. Dann hol ich fix meine Jacke an der Garderobe ab (und komm mir dabei total spießig vor, so wenig wie die frequentiert ist haha). Ein paar Minuten verweile ich noch bis Bosca auftaucht, wechsel ein paar Worte mit ihm und mache mich dann gemütlich auf den Heimweg.

Immerhin klingeln mir die Ohren, das hatte ich lange nicht mehr nach einem Konzert – die Lautstärke hat also gestimmt. Alles in allem war es ein gutes Konzert und wirklich unverdient leer. Wer Bosca schon mal live gesehen hat weiß, dass er immer alles auf der Bühne gibt und über seine Grenzen hinaus geht. Und wer Aschaffenburg kennt, weiß eigentlich auch, das hier Abriss vorprogrammiert ist. Heute also ein riesen Rüffel an die Bayern – das geht besser, das war schon besser und das muss beim nächsten Mal wieder besser werden! Ich freu mich derweil auf Donnerstag, da geht es für mich nämlich in Köln weiter und dann ist da Ende Februar ja auch noch der Gig in der Batschkapp. Mal sehen, vielleicht lässt sich Weinheim noch irgendwie einschieben 😉

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.